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Mit der Erfindung des laufenden Bildes entstand ganz schnell das Bedürfnis, die gezeigten Stummfilme mit Musik aufzuwerten. In einigen Kinosälen fanden sich Klaviere oder gar Harmonien, doch gereichten diese Tasteninstrumente nicht den Wünschen der Improvisatoren. Schnell erkannte man die Notwendigkeit auch Geräuscheffekte einzubringen. Hierzu erinnerte man die Pfeifenorgel, die ja schon im Frühbarock Sonderregister wie Vogelgeschrei, Glockenspiele und Pauken vorhalten konnte.  Vornehmlich in den USA wurden bald Instrumente von beachtlichem Ausmaß konstruiert und gebaut, die sich allerdings von der Kirchenorgel in vielen Punkten deutlich unterschieden. So gab es bereits zur Geburtsstunde der Theaterorgel eine elektropneumatische Programmierung der Klangkombinationen, die mittels Daumenpiston bequem abgerufen werden konnte. Waren Kirchenorgeln zu dieser Zeit  mit höchstens zwei Vorbereitungen ausgestattet, warteten Orgeln von Hope-Jones bereits mit 5 Speicherungen pro Klaviatur auf. Auch der Winddruck war nicht zu vergleichen, betrug er seit Anbeginn mindestens das 3-fache des Normalen, von wenigen Hochdruckstimmen in ausgewählten Kirchenorgeln abgesehen.


Bild oben: Los Angeles, California, Orpheum Theatre

 

Auch die besonderen "Klangfarben", angefangen vom weniger spektakulären Xylophon, über eine hawaianische anmutende "Harp", bis hin zu integrierten Flügeln und  Hausklavieren, teils parallel, boten dem orchestralen Klang der Theaterorgeln eine außergewöhnliche Note. Nicht zuletzt auch die Toys (Spielzeuge), welche festgelegte Geräusche zu imitieren in der Lage waren. Neben WurliTzer gab es noch viele andere Hersteller wie z.B. Moller, Kimball, Morton und Barton.

Wurden die Theaterorgeln zunächst nur für ihre eigentliche Bestimmung verwendet, so ergab sich mit der Einführung des Tonfilms eine völlig neue Situation. Zwar wurden Stummfilme noch länger in den Kinos gezeigt, doch mehr und mehr wurde die Theatre Pipe Organ sprichwörtlich an den Rand der Darbietungen verlagert. Nun war es Aufgabe der Organisten, auch herkömmliche Popularmusik vor den Filmen zu interpretieren.

In den 50er Jahren waren dann die meisten Instrumente dauerhaft verstummt. Allerdings gab es eine Reihe von Theatre Organisten, die es sich damals bereits zur Aufgabe machten, dort wo noch spielbare Orgeln vorgehalten wurden, zu konzertieren, um gegen den Verfall anzukämpfen. Hier prägten Namen wie George Wright und Kay McAbee die Zeitgeschichte. 1955 gründete sich die American Theatre Organ Society "ATOS", um Menschen zu unterstützen, die sich aktiv für den Erhalt der Theatre Pipe Organ einsetzten. Doch es sollte nicht leicht sein, Orgeln einer vergangenen Zeit gegen die wirtschaftlichen Interessen der Betreiber der Häuser durchzusetzen. Oftmals wurden und WERDEN die Orgeln abgerissen, weil der Platz anderweitig benötigt, das Gebäude einer Umnutzung unterzogen wird, oder sich einfach nur die Besitzverhältnisse ändern. Nicht vergessen werden dürfen die zahlreichen Verluste durch unbändige Wetter in den USA sowie Brände - Der letzte große Brand vernichtete den Großteil der Barton 6/51 in Chicago Stadium, einer der größten Theatre Pipe Organs, die sich über die Jahre ohne Veränderungen erhalten hatte. Nur der sechs Manuale umfassende Spieltisch und etwa 15 Register konnten gerettet werden.

 

Bild oben: Restaurierungsbedürftige Console einer Barton

darunter

Die gerettete Console der Barton 6/51

 

Durch die Bemühungen der Theatre Organisten von einst, sowie der hervorragenden Arbeit von A.T.O.S. und örtlichen Vereinen konnten aber bedeutende und weniger bedeutende Instrumente gerettet und restauriert werden. Auch Enthusiasten kauften Orgelteile oder ganze Orgeln auf und errichteten sie, z.T. mit modernisierter Elektronik, in ihrem Eigenheim. Noch in 2013 veräußerte man das prachtvolle Instrument der Paramount Studios, New York, das seit Jahren in einem Provinz - Kino seinen Dienst tat, nun aber "im Wege" stand.

 

Die Theatre Pipe Organ in der Gegenwart

Mittlerweile ist die Szene der Theatre-Organ-Music, samt deren Organisten, zu einer besonderen Spezies herangewachsen. Die Instrumente werden unter teils großem Aufwand gepflegt und präsentiert. In Konzerten erklingen, angefangen von Märschen über Musicals, Operetten, Filmmusik und Pop-Songs, alle nur erdenklichen Stilrichtungen. Egal ob J. Phillip Sousa, Georg Wright, Georg Gershwin, Andrew Lloyd Webber, Joh. Strauß oder gar ABBA – es gibt nichts, was auf diesem Instrument irgendwie befremdlich klingen würde.  Der Organist lebt dabei von den instinktiven Einfällen, denn Noten gibt es bis heute nicht für die Theatre-Organ.

Privatpersonen und Geschäftsleute haben mit Ideen und Taten dazu beigetragen, dass auch "neue" Orgeln entstehen, die aus Teilen mehrerer Altorgeln zusammengestellt wurden. So finden wir in den Residenzen der Herren Maloof und Sanfilippo Großorgeln, die bis zu 80 klingende Register vorhalten. In Mesa, Arizona, nahe Phoenix, befindet sich in einem Pizza - Restaurant eine 78 Register umfassende Wurlitzer, die tagtäglich während der Öffnungszeiten von zwei festangestellten Organisten meisterhaft bespielt wird.

 

Bild oben: Die Installation in "Organ Stop Pizza", Mesa, Arizona 4/78

 

Die dankbare Idee von Paramount:

Dank der Paramount Picture Studios, die das Projekt angestossen und teilfinanziert haben, ist es heute möglich, die WurliTzer Theatre Pipe Organ per Digitaltechnik auch in unsere Festsäle zu bringen und so bei Veranstaltungen und Konzerten diese zauberhaften Klänge zu verbreiten. Im Unterschied zur Spezies der gängigen Alleinunterhalter hat der Theatre Organist aber alle Hände (und Füße) voll zu tun. Da diese Instrumente über keine „Begleitmaschinen“, wie beim Keyboard üblich, verfügen, wird naturgemäß vom Bass über Rhythmus bis hin zu Harmoniebegleitung alles selbst gespielt – ganz ohne Tricks und doppelten Boden! Das verlangt dem Theatre Organisten ein Höchstmaß an Flexibilität ab.

Mehr zu unserer transportablen Wurlitzer 4/50 erfahren Sie hier: Unsere Wurlitzer

Andreas F. Kipping ist derzeit der bundesweit einzige Theatre Organist, der sich tagtäglich mit diesem besonderen Genre beschäftigt, für das es selbst in den USA keinen eigenen Studiengang gibt. Wenn Sie Interesse daran haben, Ihre Veranstaltung mit einem solch einmaligen Klanggefüge zu bereichern, so melden Sie sich bitte per Mail oder Telefon. Ihnen kann geholfen werden!

 

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